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Stärken und aufrichten in Zeiten von Corona

Methoden der Leibtherapie zum Umgang mit der Angst

Gerade in Krisenzeiten ist es wichtig, auf mögliche Ängste - die eigenen, aber auch jene in der Familie und von Mitmenschen - einzugehen. Wir haben deshalb einige Methoden zusammengestellt, die dabei helfen können, die aktuelle Situation zu bewältigen.

Für Kinder und Erwachsene:

Trost- und Wunschsteine

Suche dir ein paar handgroße Steine. Du kannst darauf Bilder malen oder etwas schreiben, was du dir wünschst oder was du anderen Menschen wünschst. Du kannst auch das malen, was dich tröstet und was auch andere Menschen trösten könnte. Bei deinem nächsten Spaziergang kannst du die Wunsch und Troststeine irgendwo hinlegen, wo sie gesehen und gefunden werden.

Es sind Kontaktgrüße ohne Kontakt.



Fensterbilder und Botschaften

Das Fenster ist jetzt die Schnittstelle zur Außenwelt, an der etwas stattfinden kann. Beispielsweise wird geklatscht und applaudiert für die Arbeit der Pflegekräfte in Krankenhäusern. Viele Menschen verabreden sich auch, um an geöffneten Fenstern Musik zu machen. Der Dalai Lama hat ein Mantra als Schutz für alle Menschen aufgeschrieben und viele Leute hängen es in ihre Fenster. Selbstgemalte und geschriebene Botschaften, die ins Fenster gehängt und geklebt werden, können ganz persönliche Grußbotschaften in die Welt hinaus senden.



Wunschpflanzen

Schreibe einen Wunsch auf einen Zettel, lege ein paar Blumensamen darauf und falte den Wunschzettel zusammen. Fülle einen Blumentopf mit Erde und lege den gefalteten Zettel auf die Erde, darüber kommt noch eine kleine Schicht Erde. Dann musst du jeden Tag gießen und nach einiger Zeit kannst du die Pflanzen wachsen sehen. Mit ihnen kommt auch dein Wunsch unsichtbar wieder heraus. Besonders schnell wachsen Kresse, Duftwicken und Klee!



Krafttier für die Hosentasche

Wenn du ein besonders starkes Tier wärst, welches wärst du? Ein Tiger, ein Elefant, ein Zauberdrache? Was kann dieses Tier besonders gut? Was mag es und wovon träumt es? Male genau dieses Tier in der Größe einer Streichholzschachtel, schneide es aus und klebe es in die Schachtel. Du kannst auch die Schachtel bemalen und verzieren wie eine Schatzkiste. In der Hosentasche kannst du das Krafttier in der Schatzkiste immer bei dir tragen.



Monstermobile

Früher glaubte man fest daran, dass Skulpturen von gefährlichen Tieren und Monstern, die an den Häuserfassaden befestigt wurden, das Haus vor bösen Geistern und Unheil schützen kann. Male ein paar wirklich gruselige Monster, schneide sie aus und hänge sie zusammen mit Muscheln, Zapfen oder anderen Sachen mit einem Faden an einen Ast. Den Ast kannst du außen am Fenster, dem Balkon oder dem Haus aufhängen. Im Wind macht das Mobile Geräusche und die Monster können dich beschützen.



Mutstempel

Was macht dir Mut? Gibt es dafür ein Symbol, fällt dir ein Wort dazu ein? Aus Flaschenkorken, Holzklötzchen und Moosgummi kannst du dir einen Mutstempel basteln. Male das Symbol oder das Wort auf das Moosgummi und schneide es aus. Achtung: Du musst das Wort in Spiegelschrift schreiben! Klebe es auf einen Korken oder ein Stück Holz. Mit einem Stempelkissen oder auch Wasserfarbe kannst du losstempeln und damit ein bisschen Mut verbreiten.



Abreißbotschaften

Nimm ein DIN A4 Papier und schneide es auf einer Seite im Abstand von einigen Zentimetern so ein, dass du viele Streifen hast. Schreibe auf jeden Streifen Botschaften oder Worte, die dir gefallen und mit denen du etwas Positives ausdrückst. Zum Beispiel Glück, Sonne, Zuversicht, Mut, Freude oder Hoffnung. Hänge das Papier an Straßenlaternen oder in euren Hausflur, damit sich andere Menschen davon etwas abreißen und es mitnehmen können.



Wundertüte to go

Aus Butterbrottüten kannst du eine Wundertüte machen. Fülle sie mit kleinen Bildern, Botschaften, vielleicht auch mit kleinen Steinen oder anderen Dingen aus der Natur. Du kannst mehrere solcher Tüten herstellen und sie mit Wäscheklammern und einem Band draußen vor dem Haus aufhängen. Wer vorbei geht, darf sich eine Wundertüte mitnehmen.



Trost

Was hilft dir, wenn du traurig bist? Was tröstet dich? Welche Worte hörst du dann gerne, welche helfen dir? Welche trösten dich? Male all das auf eine weiße Postkarte und schreibe die Worte dazu, die dich schon mal getröstet haben. Die Postkarten kannst du mit der Post verschicken oder für dich selbst an einen besonderen Platz stellen.



Schmetterling

Schmetterlinge sind bunt und schön, sie flattern frei durch die Gärten und die Natur. Sie können gute Laune machen. Male dir ein paar eigene Fantasie-Schmetterlinge und schneide sie aus. Wenn du sie an einen dünnen Faden klebst, kannst du dir eine Schmetterlingsgirlande basteln und sie aus dem Fenster hinaushängen. Vielleicht bringt der Wind sie zum Fliegen.



Wunschblumen

Aus Butterbrottüten kannst du Wunschblumen machen. Bemale eine Butterbrottüte von allen Seiten in deinen Lieblingsfarben. Dann kannst du die Tüte so knittern und drehen, dass daraus eine Blüte wird, als Stengel kannst du einen dünnen Ast nehmen, den du grün anmalst. Beim Malen kannst du an das denken, was du dir wünschst. Wenn du mehrere Blumen machst, kannst du sie als Wunschblumenstrauß in eine Vase stellen.



Regenbogen der Wünsche

Der Regenbogen ist ein Symbol für Wünsche und Hoffnungen. In ihm sind alle Farben vorhanden. Male einen großen Regenbogen und schreibe in jeden Farbbogen, was du dir wünschst oder erhoffst. Klebe ihn in dein Fenster, dann können ihn auch andere Menschen sehen und sich an den Farben erfreuen.



Blick in die Zukunft

Was möchtest du machen, wenn du deine Freunde wieder treffen kannst, wenn du wieder Schule hast, wenn die Corona-Zeit vorbei ist? Male ein Bild mit allem, worauf du dich freust, was du dann machen und genießen willst. Mache ein Foto von dem Bild und schicke es an deine Freunde.



Zauberstab

Wenn du zaubern könntest, was würdest du zaubern? Vielleicht brauchst du dafür als erstes einen Zauberstab. Wie würde der aussehen? Groß, klein, bunt, glitzernd? Suche dir einen Ast, der dir gefällt. Du kannst ihn bemalen und bekleben, du kannst Stoffreste und Bänder daran binden oder geheime Zeichen darauf schreiben. Nicht jeder Zauber geht sofort in Erfüllung, aber du solltest es versuchen.



Von Herzen...

Herzensgrüße sind immer schön, jetzt ganz besonders! Wem könntest du ein selbstgemaltes oder gebasteltes Herz schenken? Male und gestalte ganz unterschiedliche Herzen mit verschiedenen Materialien. Du kannst sie verschenken, in den Briefkästen deines Hauses verteilen oder auch an Alten- und Pflegeheime schicken. Es ist ein tröstlicher Gedanke, wenn viele verschiedene Herzgrüße auf die Reise gehen.



Dein eigenes Gedicht

Nimm ein altes Buch, das niemand mehr liest, und reiße eine beliebige Seite heraus. Ein Zeitungsartikel oder ein Text aus einer Zeitschrift geht auch. Kreise die Wörter ein, die Dich ansprechen und die dir gefallen. Oder finde versteckte Verse für Dich. Schwärze die überflüssigen Wörter oder übermale sie bunt. Lass so Dein Gedicht entstehen.



Für Eltern:

Bewegen

Die Tatsache, dass die Kinder nicht mehr in der Schule oder im Kindergarten sind, ist für viele in den Familien eine Herausforderung. Bieten Sie den Kindern möglichst viele Bewegungsmöglichkeiten, sich auch. Ob sie rausgehen können oder Seilspringen in der Wohnung, ob sie Hürdenläufe machen über Kissen, Stühle, Tische oder sonstige Ideen haben. Kinder brauchen auch körperlichen „Auslauf“, ansonsten werden sie zu unruhig, sonst können sich Spannungen zwischen Kindern und zwischen Kindern und Eltern hochschaukeln.



Gemeinsam überlegen

Entscheiden nicht Sie als Eltern allein, was an den Tagen getan werden soll, sondern überlegen Sie dies gemeinsam. Beziehen Sie die Kinder ein, Pläne zu machen. Dabei nehmen Sie die Kinder bitte ernst, aber auch sich selbst und Ihre eigenen Interessen, Ihre eigenen Möglichkeiten, Ihre Grenzen und Ihre Wünsche.



Rückzugsmöglichkeiten

Wenn Menschen eng und nahe zusammenleben, dann braucht jeder Beteiligte Rückzugsmöglichkeiten. Es braucht mindestens eine gemeinsame Interaktion, zum Beispiel ein gemeinsames Essen, aber es braucht auch, dass die Erwachsenen sowie die Kinder sich auch jeweils zurückziehen können. Umso schöner ist dann wieder das Zusammentreffen.



Das große UND

Nutzen Sie das große UND: Sie sind unsicher UND Sie vertrauen darauf, dass die Familie die Corona-Krise gut übersteht. Sie wollen viel mit den Kindern gemeinsam machen UND Sie brauchen Zeit für sich allein. Sie müssen arbeiten und brauchen Zeiten, in denen Sie ungestört sind im Homeoffice UND Sie wollen auch gemeinsam mit der Familie essen, reden, spielen. Sie gehen darauf ein, was die Kinder möchten, UND Sie setzen Grenzen. Sie wollen auch, dass Ihre eigenen Wünsche und Lebensbedingungen berücksichtigt werden. Und so weiter.



Vorbild

Sie können noch so oft die Kinder ermahnen, sich die Hände zu waschen. Wenn Sie dies nicht selbst alle zwei Stunden tun, ist dies Schall und Rauch. Sie sind Vorbild in allem: im Nein-Sagen, im Angst-Haben, im Mut-Vermitteln. Also nutzen Sie Ihre Vorbildfunktion. Nehmen Sie sich ernst und zeigen Sie als Vorbild gutes und angemessenes Verhalten in schwierigen und unsicheren Zeiten.



Reden und Erklären

Reden Sie mit Ihren Kindern und erklären Sie ihnen, was los ist. Möglichst altersgerecht, möglichst bildhaft. Manchmal wird gesagt, man solle mit Kindern nicht darüber reden, damit man ihnen nicht Angst macht. Doch Kinder spüren die Ängste. Wenn darüber nicht geredet wird und wenn nicht erklärt wird, dann werden die Ängste dauerhaft und können sich in den Kinderseelen langfristig einnisten.



Angst teilen und Halt geben

Reden allein hilft nicht. Der emotionale Austausch ist entscheidend. Sagen Sie den Kindern, auch wenn Sie selbst verunsichert sind, dass alle nicht genau wissen, was wird. Doch erklären Sie gleichzeitig all das, was man tun kann. Alles, was man weiß, gibt Klarheit. Alles, was die Fachleute empfehlen, befolgen Sie und das schützt. Geben Sie Halt UND reden Sie über Ängste. Beides. Halt geben Sie, indem Sie da sind, indem Sie die Kinder ernst nehmen und indem Sie ihnen sagen und zeigen: „Ich passe auf dich auf! Und ich passe auf mich auf, auf uns alle!“



Ernst nehmen und keine Floskeln

Gebrauchen Sie gegenüber den Kindern keine Floskeln. Wenn Sie es ernst meinen, dann können Sie sagen: „Alles wird gut!“ Wenn Sie nicht wissen, ob alles gut wird, dann sagen Sie es nicht. Kinder können auch Unsicherheiten vertragen. Kinder durchschauen Floskeln. Vielleicht nicht beim ersten Mal, wenn sie sie hören, aber auf Dauer. Wenn Sie auf die Fragen der Kinder und deren Gefühle eingehen, dann nehmen Sie sie ernst. Das stärkt und das gibt Sicherheit.



Angst um Oma und Opa

Viele Kinder haben Angst um ihre Großeltern. Manche zeigen das, manche nicht. Sprechen Sie die Ängste an und erklären Sie den Kindern, dass das Virus vor allem für ältere Menschen gefährlich ist, und dass wir deswegen Oma und Opa schützen müssen, damit sie gesund bleiben. Deswegen dürfen sie nicht zu Besuch kommen. Deswegen dürfen die Kinder gerade nicht mit Oma und Opa spielen. Zeigen Sie, dass Sie das auch bedauern, dass Sie auch die Großeltern vermissen und dass es jetzt aber ein Zeichen der Liebe ist, für eine Weile den persönlichen Kontakt zu meiden. Bitten Sie die Kinder, ein Bild für die Großeltern zu malen oder mit ihnen zu telefonieren, zu skypen oder was auch immer für Kontaktmöglichkeiten da sind, wenn die Kinder das möchten.



Kleine Kinder

Viele Erwachsene denken, dass kleine Kinder nichts oder zumindest nicht so viel mitbekommen. Das Gegenteil ist der Fall. Kinder spüren viel mehr, als wir Erwachsene denken. Kinder sind empfindsam für Atmosphären, für das Ungesagte und das Verschwiegene. Wenn Erwachsene Kindern gegenüber etwas verschweigen, um sie vielleicht zu schonen, werden die Kinder umso aufmerksamer und richten ihre ganze Aufmerksamkeit genau auf diese unausgesprochenen Themen. Sprechen Sie deshalb auch mit kleinen Kindern und erklären Sie, was ist. Eine Mutter malt ihrem dreijährigen Kind zum Beispiel morgens immer ein Antivirusmonster auf die Hand und gemeinsam schauen beide begeistert darauf, dass es am Abend verblasst ist, wenn das Kind sich oft genug die Hände gewaschen hat.



Ältere Kinder

Ältere Kinder informieren sich oft im Netz. Dort wird viel Gutes, aber auch viel Unsinn verbreitet. Reden Sie mit den Kindern darüber. Zeigen Sie den Kindern brauchbare, informative Seiten und erklären Sie ihnen, dass nicht alles, was im Internet steht, auch richtig sein muss.



Knuddeln und Kissenschlachten

Kinder müssen wie wir Erwachsene Distanz halten, soziale Distanz, wenn sie auf der Straße sind. Der Kindergarten ist zu, die Schule ist zu. Nach außen hin ist Abstand gefordert. Doch nach innen im familiären Kreis braucht es umso mehr Nähe, auch körperliche. Also knuddeln Sie die Kinder, machen Sie Kitzel-Wettkämpfe oder gönnen Sie sich und den Kindern Kissenschlachten. Nutzen Sie alle Möglichkeiten, was die Kinder und Sie selbst gerne an nahen Kontakten und Begegnungen leben und ausprobieren wollen.



Symbole nutzen

Gestalten Sie mit den Kindern gemeinsam Symbole, die für die Themen in Zeiten von Corona wichtig sind. Malen Sie ein Monster, das Viren frisst. Bemalen Sie einen Schutzstein oder gestalten Sie aus Stoff einen Schutzengel, der die Kinder und die Menschen, die die Kinder lieben, schützt. Hören oder spielen Sie eine Musik, die Mut macht und Grüße an andere schickt – was auch immer – nutzen Sie die Möglichkeiten, aktiv Symbole zu schaffen, die stärken und Mut machen.



Für zuhause:

Die Lunge durchlüften

Wenn wir Menschen sitzen, wird die Lunge nur zu zwei Dritteln belüftet. Also: möglichst in Sonne, und sei es vor das offene Fenster. Außerdem: Seilspringen, auf der Stelle laufen, sitzend mit den Beinen in der Luft radeln. Vor allem: einmal pro Stunde aufstehen, die Arme nach oben strecken und fünfmal kräftig ein- und ausatmen. Belüftet die Lunge.



Lagerkoller 1

Jack Stuster ist Isolationsforscher. Er untersucht für die NASA die Auswirkungen, wenn Menschen zum Beispiel in einer Raumkapsel längere Zeit zusammenleben müssen. Das müssen viele Familien zur Zeit auch.Seine wichtigste Erkenntnis besteht darin, dass die Menschen sensibler werden, sich über Kleinigkeiten viel mehr aufregen als sonst. Das gilt für das All ebenso wie für Bohrinseln oder Unterwasserstationen. Deswegen sollte möglichst wenig herumliegen, möglichst alles weggeräumt werden, um wenig Konfliktanlässe zu bieten. Quarantänezeiten sollten genutzt werden, das anzugehen, was man immer schon mal vorhatte: ein Zimmer streichen, die Fotos sortieren, alte Kontakte auffrischen...



Lagerkoller 2

Wenn Familienmitglieder in Homeoffice arbeiten müssen, ist es wichtig, den Tagen Struktur zu geben. Aber nicht nur dann. Eine gemeinsame Mahlzeit am Tag ist notwendig, möglichst auch mit gemeinsamen Kochen, aber ansonsten sollte jeder essen können, wann er oder sie will. Pausen sind einzuplanen, Ruhezeiten, Bewegungsphasen. Sehr entscheidend ist, dass jede Person in der Familie die Möglichkeit haben muss, sich zeitweilig von der Gruppe zurückzuziehen.



Wie kann Partnerschaft in Isolation gut überleben? 1

Viele Paare, viele Familien sind durch Homeoffice, Ausgangssperren, Quarantäne viel längere Zeiten zusammen als sonst. Man könnte meinen, das wäre wir im gemeinsamen Urlaub. Doch auch nach Urlaubszeiten steigen die Anmeldungen zu Paartherapie oder gleich zur Scheidung. Deswegen bedarf es besonderer Bemühungen, in Zeiten Isolation die Partnerschaft zu erhalten und zu fördern. Das zu wissen, hilft. Der erste und wichtigste Tipp heißt: Reden Sie miteinander, vor allem über Ihre Gefühle. Welche Ängste und Sorgen haben Sie? Was macht Ihnen im Alltag Stress und wie gehen Sie damit um? Was wünschen Sie sich? Geteilte Gefühle verbinden. Eingemauerte Gefühle können vergiften. (UB)



Wie kann Partnerschaft in Isolation gut überleben? 2

Suchen Sie Verbindendes. Unternehmen Sie gemeinsam etwas, auch daheim. Reden Sie über Bücher die Sie beide lesen. Schauen oder hören Sie einen Podcast der Metropolitan-Oper oder anderer Musikveranstaltungen. Erinnern Sie sich, was Sie früher gemeinsam gern gemacht haben, als Sie noch keine Kinder hatten oder noch nicht beruflich so sehr eingespannt waren



Wie kann Partnerschaft in Isolation gut überleben? 3

Viel zusammen machen und viel reden und Gefühle austauschen, ist wesentlich. Doch es braucht auch noch ein Drittes: Erlauben Sie sich selbst oder Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin, sich zurückzuziehen. Wir brauchen auch unseren intimen Raum und unseren Rückzug, damit wir uns immer wieder neu auf den anderen oder die andere zubewegen können. Also: gelegentliche Trennung fördert die Gemeinsamkeit.



Eigene Haltung und Hilfestellungen:

Der größte Horror: Sterben ohne Handhalten

Wer als hochbelasteter älterer Mensch mit einer Corona-Infektion ins Krankenhaus muss, hat durchschnittlich noch vier Tage zu leben. Der größte Horror für viele besteht darin, dass die Verwandten weder besuchen, noch trösten, noch begleiten können. In Italien ist dies so, in Deutschland darf in den meisten Kliniken noch eine Person Sterbende besuchen. Allein zu sterben, nur von Menschen mit Gesichtsmasken umgeben, widerspricht allem, was Menschen in der letzten Lebensphase brauchen.

Ich habe dafür keine Lösungsvorschläge. Es ist, wie es ist. Ein bisschen hilft, für einen Krankenhausaufenthalt Fotos mitzunehmen, ein Handy natürlich und ein Symbol der Liebsten: ein Bild in Postkartengröße, einen bemalten Stein, ein Schmuckstück... (UB)



Das große UND

Für sich sorgen und für die Gemeinschaft muss nicht gegeneinander stehen. Wir brauchen das große UND und unser „Würde-Ich“ in Aktion: Eigensinn UND Gemeinsinn, Selbstachtung UND Achtung und Respekt gegenüber den anderen, Achtsamkeit gegenüber sich selbst UND gegenüber den anderen, Freundlichkeit und Freundschaftlichkeit, Höflichkeit und Zärtlichkeit und vor allem die „Würdigung dessen, was ist“. (UB)



Danke für die Hilfsbereitschaft

Es gibt leider asoziales Verhalten, mit dem sich Menschen nicht nur selbst gefährden, sondern auch andere, vor allem kranke und alte Menschen. Doch es überwiegt erfreulicherweise die Hilfsbereitschaft und Solidarität. Wir erhalten zum Beispiel als (annähernd) 70-jährige Menschen nicht nur alle erdenklichen Hilfsangebote von unseren Kindern, sondern auch von jungen und neuen Nachbar/innen, mit denen wir bisher lediglich freundliche Kontakte pflegten, fürs Einkaufen und für alles „womit wir Ihnen helfen können. Sagen Sie nur Bescheid“. In vielen Häusern geschieht Ähnliches, und im Internet, das damit seine segensreiche Seite zeigt, werden solche Hilfsangebote für die Menschen, die krank oder alt sind bekannt gemacht und verbreitet. Die Menschen, die solidarisch sind und ihre Mitmenschlichkeit tätig zeigen, sind offensichtlich in der Mehrheit und das ist wunderbar. (UB & GFB)



Begegnung trotz Distanz

Wir sollen Abstand halten, nicht umarmen, möglichst zuhause bleiben, soziale Kontakte vermeiden. Doch was wir in den unsicheren Zeiten brauchen, ist Nähe und Begegnung. Diesen Widerspruch müssen wir leben. Das geht nur, wenn wir ihn annehmen. Es hilft weder, einfach so weiter zu machen, wie bisher, noch sich zurückzuziehen. Die Herausforderung besteht darin: Wie geht Nähe ohne körperliche Begegnung? Wie geht Begegnung, ohne sich zu sehen? Dafür gibt es viele ermutigende Beispiele. Wir können mit Menschen, die wir nicht besuchen können, täglich telefonieren. Wir können Bilder malen oder fotografieren und schicken. Wir können gemeinsam singen. Wir können vieles andere tun, wenn wir nachdenken und gemeinsam nach Wegen suche und kreativ sind.



Achtung: Zunahme häuslicher Gewalt

Frühere Erfahrungen mit Quarantäne und dem Druck, zu Hause zu bleiben, führen zu einer Zunahme häuslicher Gewalt. In Wuhan berichtet die Polizei, dass die Notrufe von Frauen sich verdoppelt haben. Frauenorganisation berichten von einer Verdreifachung. Viele Frauen können sich jetzt nicht mehr zu Nachbarn flüchten. Die räumliche Nähe führt bei Tätern zu häufigeren Gewaltaktionen. Das ist wichtig zu wissen. Wir sollten allen gefährdeten Menschen, vor allem Frauen und Kindern, unsere Hilfe anbieten und auf Signale achten, um gegebenfalls Hilfe zu organisieren.



Nicht ausgrenzen!

Wir hoffen, dass sich Gedanken und Handlungen wie diejenigen, die wir zum Beispiel vom Umgang mit Lepra-Kranken und mit Seuchenbelasteten im Mittelalter kennen, keine Unterstützung finden: Dass Menschen aus lauter tabuisierter Angst, der Unerträglichkeit des Kontrollverlustes oder der Verleugnung der Gefährdungssituation den gesundheitlich grundbelasteten Menschen oder den Corona-Kranken die Schuld für das Corona-Virus zuweisen und sie wie Aussätzige behandeln. Oder Ersatz-Schuldige suchen: In den USA steigt die Zahl der Waffenkäufe besonders unter asiatisch-stämmigen Menschen, die Angst vor Progromen und Übergriffen haben. Vor allem seit Trump das Coronavirus nur noch als „chinesische Grippe“ bezeichnet. Dem sollte jede und jeder sich im kleinen Umfeld wie in der Öffentlichkeit entgegenstellen. (UB & GFB)